Pressebericht: Ausstellung zur 700-Jahrfeier

Coburger Tageblatt vom 18.Oktober 2017

700 Jahre Wildenheid sind auch im Schützenhaus dokumentiert

Erinnerungen wurden wach bei der Jubiläumsausstellung mit Modelleisenbahn.

Wildenheid hatte Kirchweih. Da auch der Neustadter Ortsteil in diesem Jahr seine erste urkundliche Erwähnung vor 700 Jahren feiert, präsentierte die Schützengesellschaft (SG) "Waldfriedensee-Schützen" dazu eine besondere Jubiläumsausstellung. "Denn jeder Ortsverein würdigt heuer mit etwas Besonderem sein Dorf und wir machen das mit dieser Ausstellung hier", sagte Schützenmeister Ralf Schilha.

Bei dieser Ausstellung hatten die Sportschützen besonders viel zu bieten: Im gesamten Schützenhaus steckte engagierte Vorarbeit für sieben Jahrhunderte Wildenheid! Die Königsscheiben von Schützenmajestäten dekorieren die Wände der 92-jährigen SG und mit jedem Schützenjahr kommt wieder eine neue hinzu.

Schießstand war der Ausstellungsraum

Aus der Schießanlage jedoch wurde ein beeindruckender Ausstellungsraum mit zahlreichen Schautafeln, vielen Fotos und bestückten Tischen mit historischen Dokumenten, Schriftstücken, Zeitungsberichten und Unikaten gezaubert. Wie eine "heilige Bibel" lag die von Heimatchronist Johannes Seifert liebe- und mühevoll bis ins kleinste Detail zusammengestellte Dorf- und Kirchenchronik aus und gewährte interessante Einblicke ins dörfliche Leben, geprägt von Freud', aber auch von Leid. Neugierig und geradezu ehrfürchtig blätterten die Besucher in den zahlreichen Ordnern und Büchern, waren fasziniert und staunten. Selbst Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) zeigte sich mächtig beeindruckt und verbrachte viel Zeit mit Wildenheids Historie und seinen Bewohnern. Und wie alle kleinen und großen Jungs blieb auch OB Rebhan am "Highlight der Ausstellung" fasziniert hängen: Die Eisenbahnfreunde "Steinachtalbahn-Coburg" präsentierten ihre Vereinsanlage "Die Steinachtalbahn", ihre erste Modellbahnausstellung in Wildenheid.

Es war ein Mordsaufwand, allein diese riesigen Elemente zu transportieren und wieder aufzustellen. "Das Transportieren ging ja noch, aber die großen Teile hier durch die Türen zu jonglieren, das war eine echte Herausforderung", sagte Michael Resch, stellvertretender Vorsitzender der Eisenbahnfreunde. Seit drei Jahrzehnten basteln die Eisenbahnfreunde an ihrem Prunkstück. "Die Anlage ist langsam gewachsen. Wir haben mit Fürth am Berg angefangen, es originalgetreu nachzubauen", erzählte Resch. Die Grenze verlief dort, am Bahnhof von Fürth am Berg war Schluss.

Erinnerung an die innerdeutsche Grenze

Von "drüben" schauten die Vopos vom Wachturm rüber und der Schienenbus, liebevoll auch "Knatterbox" genannt, ratterte als "Retter der Nebenbahn" auf den Gleisen. "Der Schienenbus hat damals bei so mancher Strecke den Todesstoß der Nebenbahn verzögert. Das richtige Nebenbahnsterben kam ja in Deutschland Anfang der 80er Jahre", erinnerte Resch. Die Steinachtal-Bahn war so eine Nebenbahn von Ebersdorf nach Neustadt bei Coburg, die durch die Grenze 45 durchbrochen wurde. Nach Originalplänen ließen die Eisenbahnfreunde den Fürther Bahnhof und den von Steinach extra nachbauen. "Na, da kommen doch alte Erinnerungen hoch", sagte der Neustadter OB, und seine Augen glänzten, als die Züge ihre Runden drehten. "Immer an Weihnachten wurde bei uns die Eisenbahn aufgestellt. Und als Kind fand ich die dann fast so groß wie diese hier", erzählte Rebhan schmunzelnd. Auch die Söhne von Schützenmajestät Holger Wüstefeld, Tom und Felix, zog es immer wieder zu den Modellzügen. Denn auch sie spielen daheim mit der Eisenbahn, so wie es der Papa früher auch gemacht hat. "Und der spielt noch immer damit, baut an, und es wird immer mehr", gab "Seine Majestät" lachend zu.

Für kleine Erholungspausen zeigten die Schützen liebenswürdige Gastgeber-Qualitäten, und wer sein Interesse für den Schießsport zeigte, der konnte beim erfahrenen Schützenbruder Edgar Reißenweber "ran ans Gewehr", ans Lichtpunktgewehr. Das sah so einfach aus, aber nicht so beim Ausprobieren! Trotz Auflegens wollte der Schuss nicht ins Schwarze. Da fehle schlichtweg die Konzentration, die Ruhe, das richtige Ein- und Ausatmen, tröstete Reißenweber.    Manja von Nida