Pressebericht: Schützenfest 2015

Coburger Tageblatt vom Mittwoch, 27. Mai 2015

Lächelnde Gesichter täuschen

SCHÜTZENVEREIN  Mangelndes Interesse der Bevölkerung an den Festen und eine schwindende Wirtschaftskraft des Vereins gefährden die gewachsene Tradition der Wildenheider.

VON UNSEREM MTARBEITER MARTIN REBHAN                 

Wildenheid - Man schreibt das Jahr 1925. Die Waldfriedenseeschützen treten zu ihrem ersten Schießwettbewerb an. Heute, 90 Jahre später, kann der Verein auf eine erfolgreiche Vereinsgeschichte zurückblicken. Derzeit gehen eine Senioren-, zwei Schützen- und eine Pistolenmannschaft auf Ringejagd. Ein Höhepunkt des Vereinslebens ist immer wieder das Schützenfest am Wildenheider Waldfriedensee.

Wie lange es aber noch ein Schützenfest geben wird, hängt mehr und mehr davon ab, wie es die Bevölkerung annimmt. Ralf Schilha, Schützenmeister der Walfriedenseeschützen, brachte es auf den Punkt: "Solange wir mit einer schwarzen Null aus dem Schützenfest herauskommen, wird es ein Schützenfest geben". Klar brachte er aber zum Ausdruckk, dass der Verein nicht in der Lage sei, einen finanziellen Verlust zu tragen. Der wirtschaftliche Druck sei groß. "Die hohen Kosten für die Unterhaltungsmusik im Festzelt müssen erst einmal erwirtschaftet werden", führte Schilha sehr plastisch vor Augen und ergänzte: "Das geht nur über den Umsatz". Daneben sei der Verein auch auf Unterstützung der Sponsoren angewiesen. Schilha: "Ohne die geht gar nichts".

Auch eine andere kritische Seite zeigte der Schützenmeister auf. "Es sind maximal 19 der 89 Vereinsmitglieder, die das Schützenfest stemmen." Ralf Schilha machte klar, dass ohne dieses ehrenamtliche Engagement ein Schützenfest nicht mehr möglich sei.

Zu dem Schützenfest gehört traditionell auch der Schützenumzug durch den Neustadter Stadtteil. Seine Enttäuschung über das mangelnde Interesse der Bevölkerung konnte und wollte Ralf Schilha nicht verbergen. "Wir sind durch leere Straßen gezogen", stellte er nüchtern fest.

Die Stimmung wollte er sich aber nicht verdrießen lassen. "Dem Verein macht das Schützenfest rießigen Spaß, und das ist die Hauptsache." Dank sagte er den Nachbarn rund um den Festplatz für ihr Verständnis.

Schießwettbewerb kommt an

Zu dem Schützenfest gehört auch das Jedermannschießen, in dessen Rahmen seit dem Jahr 2003 der Volkskönig ausgeschossen wird. Zweiter Schützenmeister Holger Wüstefeld zeigte sich erfreut, dass der Wettbewerb bei der Bevölkerung wieder auf eine gute Resonanz gestoßen ist. "Mit 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben wir das Ergebnis vom Vorjahr halten können."

Viele nehmen regelmäßig am Jedermannschießen teil. Für den Stammtisch "Lindenblüten" war es das fünfte Mal hintereinander, dass sie den Weg ins Wildemheider Schützenhaus fanden. "Ein Pokal ist immer herausgesprungen", stellte Günter Hammer zufrieden fest. Den Verantwortlichen zollte Hammer seinen höchsten Respekt für die Durchführung des Jedermannschießens. Das Schützenhaus der Waldfriedenseeschützen bezeichnete er als ein "Juwel".

Fast genau 90 Jahre nach dem ersten Schuss der Sportschützen konnte Holger Wüstefeld den diesjährigen Volkskönig proklamieren. Mit einem 300,1-Teiler sicherte sich Helmut Göckel nach 2004 zum zweiten Mal den Titel. "Und dabei hatte ich überhaupt kein gutes Gefühl", kommentierte der Sieger seine Schießleistung. Als 1. Ritter steht Wolfgang Fritz (448,8-Teiler) zur Seite. Das Dreigestirn vervollständigt Heiko Beck, der zum 2. Ritter gekürt wurde.